Was ist ein „jecker Strumpfhosen-Job“?

Ich habe es in diesem Blog schon öfter erwähnt (zum Beispiel hier, hier oder hier): Die Wortkombination Strumpfhose+Mann ist für Medien, insbesondere die Tagespresse, auch im Jahr 2018 noch so ungewöhnlich und vermutlich in der Phantasie so anrüchig, dass es immer wieder für eine Überschrift gut ist. Merke: Eine Überschrift soll die Aufmerksamkeit des Lesers erregen und als Orientierungshilfe, ob sich das Lesen des gesamten Meldungsinhalts lohnt, möglichst den wichtigsten Inhalt bzw. das Thema andeuten. Jetzt hat es rp-online.de wieder getan: Zur Bekanntgabe des designierten Karnevalsprinzen der Session 2018/2019 in Leverkusen titelt Autorin Gabi Knops-Feiler nicht etwa „Thorsten I. (Klatt) ist designierter Karnevalsprinz“, wie es seriös und neutral hätte heißen können (spontan würden mir noch mindestens drei Dutzend ähnlich neutrale Überschriften einfallen), sondern „Thorsten I. (Klatt) ist der neue Mann für den jecken Strumpfhosen-Job“. Tusch und Narhallamarsch.

Vermutlich wusste die Schreiberin, dass eine seriöse Meldung zum Thema Karneval selbst in Leverkusen, einer der Hochburgen der ach so lustigen Narretei, im April nur noch eine Handvoll Hartgesottener interessiert hätte. Da musste also wieder das Wort Strumpfhose für Aufmerksamkeit sorgen. Leider bleibt Knops-Feiler die Erklärung schuldig, warum Karnevalsprinzsein ein Strumpfhosen-Job ist? Nur, weil der Prinz eine Strumpfhose trägt? Dann wären ja auch Bankberaterin, Managerin, Krankenschwester etc. Strumpfhosen-Jobs. Oder weil es ein Mann ist, der eine Strumpfhose trägt? Dann sei es an dieser Stelle wieder und noch einmal ausdrücklich betont: Im Jahr 2018 ist es nicht nur nicht mehr ungewöhnlich, dass Männer Strumpfhosen und Leggings tragen, es gibt sogar Strumpfhosen und Leggings, die eindeutig für Männer produziert werden. Es mag der Spießerseele schwer fallen, das zu akzeptieren, aber es ist eine Tatsache.

 


 

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