Strumpfhosen als „Arbeitskleidung“ fürs Ballett

Die Main Post berichtet in ihrer Onlineausgabe über die Einrichtung eines „Ballett-Schnupperkurses“ beim TSV Lohr. Prinzipiell ist das nicht ungewöhnlich. Ballettschulen und -kurse gibt es landauf landab wie Sand am Meer. Das Besondere hier ist allerdigs, dass sich der neue Kursus ausschließlich an Jungen wendet. Das ist sehr lobenswert, denn grundsätzlich stellt sich die Frage, warum nicht auch Jungen Ballett tanzen sollen. Einen nachvollziehbaren Grund dagegen habe ich noch nie gehört. Im Gegenteil: Balletttanz gehört zu den extrem anspruchsvollen Betätigungen. Insbesondere Profitänzer absolvieren Trainingsprogramme, die nicht hinter Leistungssport zurückstehen.

Wird über Jungen oder Männer beim Ballett diskutiert, steht aber in der Regel weder die körperliche Leistung noch die Freude an der Bewegung im Vordergrund. Hauptthema ist immer und immer wieder das Tragen von Strumpfhosen. Auch die Main Post interessiert sich für das Thema. Mit dem Zitat „Ballett heißt nicht, dass Jungs eine Strumpfhose anhaben.“ versucht das Blatt offensichtlich, möglichen Kritikern von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Das finde ich aus zwei Gründen irritierend: Erstens gelten beim Ballett „Strumpfhosen als Arbeitskleidung“, egal ob es um weibliche oder männliche Tänzer geht. Zweitens ist vorauseilende Argumentation vollkommen unnötig. Wer es bis heute nicht kapiert hat, dass auch Männer (oder Jungen) Strumpfhosen tragen (egal ob beim Ballett oder wo auch immer), den wird ein solcher Satz nicht umstimmen. Also selbst wenn das Zitat lauten würde: „Ballett bedeutet, dass Jungen Strumpfhosen anhaben“, dann wäre das eben so, allen Spießern, Verklemmten und Menschen mit einem Rollenverständnis aus einem anderen Jahrhundert zum Trotz.

 


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