„Mann in Strumpfhose“ als Leseanreiz

Man sollte glauben, im soeben gestarteten Jahr 2018 wird die westliche Welt toleranter. Auch, was Strumpfhosen tragende Männer angeht. Insbesondere dann, wenn es sich um Balletttänzer handelt. Doch Pustekuchen: Kaum ist der Dokumentarfilm „Anatomy of a Male Ballet Dancer“ angelaufen, in dem der brasilianische Tänzer Marcelo Gomes porträtiert wird, da titelt das New Yorker Nachrichtenblatt The Village Voice: „A Man in Tights, Marcelo Gomes Anticipates the Final Curtain“. So weiß der Leser sofort, dass der 1979 geborene Gomes in seiner bereits im Alter von 13 Jahren begonnenden Tanzkarriere offensichtlich nichts erwähnenswerteres getan hat, als Strumpfhosen zu tragen. Merwürdigerweise liest sich sein Lebenslauf bei Wikipedia deutlich interessanter, und auch der Film selbst stellt, so ist im Meldungstext der Village Voice zu lesen, den Menschen, seinen Körper sowie sein berufliches und privates Umfeld in den Mittelpunkt, nicht seine Beinbekleidung. Aber Wörter wie „Mann“ und „Strumpfhose“ im Titel reizen halt zum Lesen. Sogar in New York. Schade, dass auch ein so renommiertes Blatt wie The Village Voice auf derart plumpe Mechanismen zurückgreift.

 

 

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