„Männer, die Zeit ist reif für Leggings“

„Männer, die Zeit ist reif für Leggings“. Diese Ansicht vertritt Malena Ruder in ihrem Beitrag auf bellevue.nzz.ch. So begrüßenswert diese Aussage ist, so merkwürdig ist sie im Jahr 2020. Meggings, ein englisches Kunstwort aus Leggings und Men, sind nun wahrhaft keine Neuheit. Seit gut zehn Jahren gibt es sie unter dieser Bezeichnung, und auch zuvor haben Männer bei Yoga und anderen sportlichen Tätigkeiten diese Kleidungsstücke bereits getragen. Unternehmen wie Matador Meggings oder Kapow Meggings haben sich in den vergangenen Jahren auf Meggings spezialisiert, und auf Modenschauen großer Designlabels wurden Männer sogar in Strumpfhosen gesichtet. In all dem sieht bellevue.nzz.ch aber nicht den Grund dafür, „dass die Zeit ist reif für Leggings“. Vielmehr beschäftigt man sich mit diesem Thema, weil das „Online-Portal für ange­sagte Männermode, Mr. Porter, […] an den Trend zu glauben [scheint]“.

Es folgt eine merkwürdige Argumentation. In der wird, natürlich und nahezu unvermeidlich, wenn es um Männer und Leggings/Strumpfhosen geht, auf die Beinlinge des 15. und 16. Jahrhunderts eingegangen. Die absolut nichts mit den heutigen Produkten gemein haben. Dann wird über mögliche Längen diskutiert und darüber, wieviel des Körpers des Trägers zu erkennen sein darf.

„Wie eine zweite Haut“

Das alles lässt den Leser staunen. Denn die einfachste Begründung, warum auch Männer Leggings/Meggings tragen können, dürfen und sollen, findet sich bereits in dem Beitrag selbst: „Es gibt kein bequemeres Kleidungsstück. Aus dem richtigen Stoff gefertigt, machen sie wie eine zweite Haut tatsächlich jede Bewegung mit.“ Obwohl man durchaus der Meinung sein kann, dass Strumpfhosen mindestens genauso bequem, wenn nicht sogar bequemer (und praktischer) sind, reicht dieses Argument doch als Begründung.

Wenn Männer Leggings, Meggings oder Strumpfhosen tragen, weil die bequem sind und sie sich darin wohl fühlen, dann sollen sie es doch tun. Dazu braucht es keine Modemagazine, Influencer oder Prominente. Es wäre dennoch schön, wenn diese einen Trend anstoßen würden und die gesellschaftliche Akzeptanz sich dadurch erhöhen würde. Nichzt nur für diese Art der Leggings, sondern auch für entsprechende Beinbekleidung aus dünneren Stoffen, gar Feinleggings. Aber man muss sich nicht an Gurus orientieren. Wer als Mann eine Legging oder Megging tragen will, der soll es einfach tun.

Und da sich Strumpfhosen und Leggings bekanntlich nur durch das Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein eines Fußteils unterscheiden, wäre es sogar wünschenswert, viel mehr Männer in Strumpfhosen zu sehen. Der Schritt von der Legging/Megging zur Strumpfhose ist kleiner als sich so mancher vorstellen kann. Auch wenn bellevue.nzz.ch die längst überholte Ansicht Meinung vertritt, dass Strumpfhosen und Röcke „ein Frauending“ seien.

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