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„Auch Männer fühlen sich in Strumpfhosen wohl“

Diese Aussage stammt nicht von einem durchgeknallten Freak. Sie stammt aus der Marketingabteilung des renommierten österreichischen Strumpfhosen- und Wäscheherstellers Wolford. Dort war sie Anfang 2018 in Kombination mit dem Wort „unisex“ für eine Auswahl an  Strumpfhosen und Leggings zu lesen. Obwohl das Statement inzwischen wieder verschwunden ist, über die Gründe mag man spekulieren, hat sich an seiner Richtigkeit nichts geändert. Deshalb steht das Zitat am Anfang dieser Homepage.

Natürlich fühlen sich Männer in Strumpfhosen wohl. Warum sollten sie nicht? Eine Strumpfhose ist ein Unisex-Kleidungsstück. Ob es dem ein oder anderen Zeitgenossen passt oder nicht, ist unerheblich.

Wolford unisex Leggings

2018 bezeichnete Wolford einige Leggings noch als „unisex“.

Vom Grundsatz her ist es kein Unterschied, ob ich als Mann eine lange Unterhose mit Socken / (Knie)Strümpfen kombiniere oder eine Strumpfhose trage. Oder doch! Strumpfhosen sitzen enger und sind bequemer. Außerdem bestehen sie aus einer Lage Stoff, während dort, wo lange Unterhose und Socke/Strumpf übereinander getragen werden, zwei Lagen vorhanden sind; die dann unter Umständen für ungewollte Enge im Schuhwerk sorgen. 
Strumpfhosen haben aber noch weitere Vorteile gegenüber langen Unterhosen. Sie sind in viel mehr Varianten zu haben. So kann man nicht nur die Dicke des Materials und das Material selbst viel besser an seine persönlichen Bedürfnisse anpassen, sondern auch – wenn man das will – Farben und Muster.

Dass Strumpfhosen ein Unisex-Produkt sind, hat sogar die nicht gerade als fortschrittlich oder liberal bekannte Universität von Oxford schon vor einigen Jahren erkannt: 2012 wurde dort der Dresscode für Examensprüfungen gelockert. Seitdem dürfen in dieser Kaderschmiede für die spätere gesellschaftliche Elite auch Männer während der Prüfungen Röcke und Strumpfhosen tragen. Diese Entscheidung beruht zwar auf der Angst vor einer Klagewelle und soll vor allem Transsexuellen das Leben erleichtern, dennoch kommt die Anerkennung als Kleidungsstück für beide (und meinetwegen auch weitere) Geschlechter klar zum Ausdruck.

Männerstrumpfhosen haben spezielle Details

Strumpfhosen werden auch für Männer gemacht. Diese Aussage wird allein dadurch bestätigt, dass es spezielle Modelle für Herren gibt. Diese unterscheiden sich durch Details von sogenannten „Damenstrumpfhosen“. Details können ein Eingriff, ein speziell geformtes Frontpanel oder gar eine offene oder geschlossene Penishülle sein. Mehr als ein Dutzend Hersteller aus Europa und anderen Staaten der Erde produzieren heute spezielle Männerstrumpfhosen. In Deutschland findet sich zum Beispiel mit dem in der Nähe von Nürnberg angesiedelten Unternehmen Comfort4Men ein Anbieter, der bereits im Namen zum Ausdruck bringt, an wen sich seine Strumpfhosen wenden.

Die Männerstrumpfhosen von Comfort4Men zeichnen sich vor allem durch einen auf die männliche Anatomie abgestimmten Zwickel mit passendem Vorderteil aus. Bemerkenswert an dem Sortiment des Nürnberger Unternehmens ist, dass es die Strumpfhosen für Männer in einer Vielzahl von Variationen gibt. Zum Beispiel mit und ohne Stützwirkung, in den unterschiedlichsten Farben und Stärken, uni, uni mit kontrastierendem Zwickel/Vorderteil und sogar gemustert. Geht es um das Thema Farbe, ist darüber hinaus der US-amerikanische Hersteller Welovecolors eine gute Empfehlung. Er bietet ausdrücklich auch Männerstrumpfhosen an, und diese – ebenso wie die Modelle für Frauen – in inzwischen mehr als 50 bunten und unbunten Farben.

Nachrichten zum Thema Männerstrumpfhosen

Im Sport sind Männer in Strumpfhosen alltäglich

Im Sport sind Männer in Strumpfhosen nichts Besonderes. Insbesondere der allgegenwärtige Profifußball hat den Anblick von Männern in Strumpfhosen populär gemacht. Auch in anderen Sportarten ist es gang und gäbe, das Männer Strumpfhosen oder Leggings tragen. Zum Beispiel im Basketball. Dort tauchen immer öfter Spieler in Kompressionsleggings auf, weltweit bis in die höchsten Ligen. Nicht in allen Sportarten sind Männer in Strumpfhosen allerdings so offensichtlich erkennbar wie beim Kampf um den Ball. So berichtete beispielsweise im November 2019 der österreichische Nordische Kombinierer Lukas Greiderer in einem Interview, dass er bei Wettkämpfen Damenstrumpfhosen trage, und auch die Schweizer Radsportlegende Albert Zweifel, mehrfacher Weltmeister im Querfeldein, erzählte seinem Interviewpartner im Januar 2020, dass er sich bei extremer Kälte durch „Damenstrumpfhosen“ geschützt habe. Biathlet Michael Rösch wird in einem weiteren Interview mit den Worten: „Wir rennen in Strumpfhosen im Kreis, …“. zitiert. Es fällt auf, dass in Interviews das Wort „Damenstrumpfhose“ benutzt wird. Dabei sollte jedem, der nachdenkt, auffallen, dass eine Strumpfhose genau in dem Moment keine Damenstrumpfhose mehr ist, in dem ein Mann sie anzieht.

Industrie produziert auch „Feinstrumpfhosen“ für Männer

Gesteht man Männern in der Regel zu, im Winter (dickere) Strumpfhosen zum Schutz gegen Kälte anziehen zu dürfen, so gelten dünne Nylon- oder Feinstrumpfhosen bei den meisten Menschen als typische Kleidung für Frauen. Sichtbares Zeichen dieses Denkens: Oft werden entsprechende Produkte von den Herstellern auf den Verpackungen so gekennzeichnet, auf Kassenbons erscheint das Wort „Damenstrumpfhose“ oder es wird, siehe oben, in Interviews und in der Umgangssprache so benutzt. Was viele nicht glauben mögen: Auch Männerstrumpfhosen werden aus sehr dünnem Nylon gefertigt. Sehr dünn ist eine Definitionssache, meint hier aber Garnstärken zwischen 5 DEN (fast unsichtbar) bis etwa 40 DEN (semiblickdicht oder halbtransparent). So hat beispielsweise der oben genannte  Hersteller Comfort4Men mehrere Feinstrumpfhosen für Männer mit 17 DEN bis 40 DEN im seinem Sortiment. Beim bulgarischen Unternehmen TIM finden sich ebenfalls spezielle Strumpfhosen für Männer mit niedrigen Garnstärken. Die chinesische Marke Doyeah, Spezialist in Sachen Strumpfhosen für Männer, wartet gar mit einer 5-DEN-Feinstrumpfhose auf. Sie trägt den Namen „The Emporer’s New Tights“ (siehe Foto links). Zu einem eindeutigen Accessoire für Männer wird diese Strumpfhose durch ihren vorne weit nach oben gezogenen und auf die männliche Anatomie abgestimmten Zwickel. Eine große Auswahl an derartigen Strumpfhosen, aktuell über 20 Produkte mit 20 oder weniger DEN, unterschiedlicher Marken hält auch der auf Männerstrumpfhosen spezialiserte Onlineshop tights-for-men bereit. Weitere Doyeah Produkte, die mit Penishüllen versehen sind und 20 oder weniger DEN haben, führen somit die Behauptung, „Feinstrumpfhosen“ seien ausschließlich für Frauen gedacht, ad absurdum.

Industrielles Produkt

Wer trotzdem daran zweifelt, dass Strumpfhosen auch für Männer sind, sollte sich überlegen, welcher Aufwand zur Produktion, zum Vertrieb und letztlich auch zur Gewinnerzielung erforderlich ist. Da sitzt nirgendwo eine Oma vor dem Kaminofen, die aus Langeweile eine Strumpfhose strickt – schon gar nicht aus hauchdünnen Nylonfäden. Männerstrumpfhosen sind ebenso wie die ursprünglich für Frauen konzipierten Varianten Massenprodukte. Um sie herzustellen, sind zunächst Forschung und Entwicklung erforderlich. Dies zum einen für die Produkte selbst, zum anderen aber auch für die Maschinen, auf denen sie später hergestellt werden sollen. Darüber hinaus müssen Produktionsräume und -maschinen bereitgestellt, Personal eingestellt und bezahlt, Materialien eingekauft, Marketing- und Vertriebsstrategien entwickelt werden. Erst wenn das alles geregelt ist, wird normalerweise mit der Produktion begonnen. Dies alles erfordert Investitionen. Aber wer würde in ein Produkt investieren, für das es keinen Markt gibt und das nicht irgendwann einmal Gewinn abwerfen soll? Auf der anderen Seite muss die Frage gestattet sein, warum sich etablierte Hersteller von „Damenstrumpfhosen“ sich einen solchen Markt entgehen lassen? Sitzen dort vielleicht zuviele konservative Denker in den entscheidenden Positionen?

Forschung und Entwicklung

zeichnung für ein Strumpfhosenpatent

Zeichnung für ein Patent für eine Strumpfhose mit Penishülle.

Auf dem Gebiet der Männer- und Herrenstrumpfhosen wird fleißig geforscht. Immer wieder gibt es mehr oder weniger pfiffige Ideen zu dieser Produktkategorie. So fanden sich beispielsweise im Februar 2020 bei Google Patents unter den Suchbegriffen „Pantyhose+man“ über 6.400 Einträge, die in irgendeiner Weise eine Verbindung von Männern und Strumpfhosen herstellten (Beispiel Graphik). Diese Ideen sind nicht im Zusammenhang mit den Entwicklungen des Marktes in den vergangenen Jahren zu sehen. Lange bevor die Modeindustrie Marketingstrategien für Männerstrumpfhosen entwickelt (siehe unten) und das Produkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht hat, wurden bereits erste Produkte zum Patent angemeldet.

Besondere Marketingstrategien für Männerstrumpfhosen

Um ein Produkt wie eine Strumpfhose für Männer zu verkaufen, reicht es nicht, klassische Werbemaßnahmen zu ergreifen. Dafür sind allgemeine Vorbehalte und Vorurteile in der Gesellschaft zu tief verankert und zu weit verbreitet. Stattdessen war (und ist) es erforderlich, spezielle Marketingstrategien zu entwickeln. Mit Bezeichnungen wie „Mantyhose“ oder „Meggings“ (Kombinationen aus den englischen Begriffen Man und Pantyhose, also Mann und Strumpfhose, bzw. Men und Leggings, also Männer und Leggings) entstanden sogar vollkommen neue Produktkategorien. Die sich allerdings im Markt nicht durchsetzen konnten. Eine Ausnahme stellt vielleicht Kapow Meggings dar. Das Unternehmen verkauft – offensichtlich recht erfolgreich –  seit Oktober 2017 unter diesem Namen Leggings für Männer. Andere Unternehmen versuchten ebenfalls, potentielle Käufer über ungewöhnliche Produktbezeichnungen anzusprechen.

So brachte beispielsweise der deutsche Hersteller Levee vor Jahren eine aus mehreren unterschiedlichen Produkten bestehende „Woman“ Strumpfhosenlinie auf den Markt. Der Name ist farblich in die  Silben WO und MAN geteilt und macht schon auf diese Weise deutlich, dass die Strumpfhosen auch Männer erreichen sollen. Zudem zeigen die Verpackungen auf der einen Seite das Foto einer Frau, auf der anderen Seite das Foto eines Mannes in der entsprechenden Strumpfhose. Ein Zweifel, dass diese Produkte für beide Geschlechter konzipiert wurden, ist da nicht mehr möglich.

Neben dem formalen gibt es den emotionalen Blickwinkel

Doch genug mit formalen Aspekten und Argumenten. Wer Männer in Strumpfhosen für Freaks, Spinner, Schwule, Fetischisten etc. hält, soll es tun. Wen interessiert es? Entweder sie sind es oder sie sind es nicht. Mit oder ohne Strumpfhose. Es macht keinen Unterschied. Die Meinung anderer ist in der Regel irrelevant; vor allem wenn es sich um Menschen handelt, denen man im Leben nicht mehr begegnen wird. Man sollte sich nicht davon abhalten lassen, Strumpfhosen zu tragen, wenn man das Bedürfnis dazu hat. Wenn es einem selbst wichtig ist, wenn man es richtig findet, wenn man sich gut dabei fühlt, dann sollte man sich nicht hindern lassen. Es geht allein um das eigene Befinden. Es gibt keinen rationalen Grund, das individuelle Bedürfnis nicht auszuleben. Es muss ja nicht in aller Öffentlichkeit sein. Und wenn doch, kann man sich langsam an das Gefühl herantasten. Es gibt genug Situationen, in der das Risiko gering ist, von Freunden, Bekannten oder Arbeitskollegen „erwischt“ zu werden. Etwa, wenn man frühmorgens zu einem Waldspaziergang aufbricht oder die Reaktionen anderer in der Nachbarstadt in Umkleiden im Wellness- oder Sportcenter oder in einer Sauna testet.

Meine eigene Erfahrung zeigt, dass es leichter fällt, seine Hemmungen zu überwinden, wenn man sich peu à peu weiter nach vorne wagt. Nachdem ich jahrezehntelang Strumpfhosen nur im Haus und unter Hosen anhatte, habe ich vor einigen Wochen begonnen, sie (gemeint sind weitgehend blickdichte 50 DEN-Modelle) in Kombination mit Shorts auch in der Öffentlichkeit zu tragen. Zunächst habe ich mich im Garten vorgetastet. Der ist von einigen Nachbarn einsehbar. Einige haben mich gesehen. Danach habe ich mich auch vor das Haus gewagt, um die beiden Straßenbäume zu gießen. Anfangs frühmorgens. Trotz der frühen Stunde bin ich auch dort von Nachbarn und Passanten bemerkt worden. Inzwischen habe ich meinen Aktionsradius immer mehr erweitert: Ich gehe morgens in Strumpfhosen zu meiner Stammbäckerei, kaufe tagsüber in Supermärkten ein und unternehme lange Fahrradtouren. Außer meist interessierten, manchmal auch skeptischen Blicken habe ich keine Reaktionen erhalten, schon gar keine negativen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Nachbarn hinter vorgehaltener Hand über mich reden, in ihren Familien und vermutlich auch untereinander. Es stört mich mittlerweile nicht mehr.

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, wieviele Männer mich inzwischen in Strumpfhosen gesehen und sich gewünscht haben, ebenfalls den Mut dazu aufzubringen? Ich halte es für nahezu ausgeschlossen, dass dies nicht geschehen ist.

Der Wohlfühlaspekt kann verschieden interpretiert werden

Wohlfühlen kann auf verschiedene Weise interpretiert werden. Wohlfühlen kann zum einen ein ganz alltäglicher Zustand sein. Ein Zustand, den jeder kennt, der sich aber nur schwer beschreiben lässt. So wie man sich im Strandcafe an der Nordsee bei einer heißen Tasse Tee wohlfühlt, während Wind und Regen über die Wellen peitschen. Oder wie man sich auf einer Geburtstagsfeier im Kreise von Menschen wohlfühlt, die man mag. Oder wie man sich wohlfühlt, wenn man eine besonders schwierige Aufgabe doch noch meistert, nachdem man lange geglaubt hat, man könne sie nicht schaffen. Und so weiter.

tighsandbread auf InstagramEin solcher Zustand kann auch beim Tragen von Strumpfhosen eintreten. Einfach deshalb, weil man sich darin wohlfühlt. Zum Beispiel weil man den Stoff an der Haut mag. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um hauchzartes Nylon oder dicke Wolle handelt. Der eine mag dieses, der andere jenes, und ein Dritter beides. Es gibt auch das Gegenteil: Dass man per se keine Strumpfhosen trägt, weil man glaubt, sie würden kratzen oder weil man im Hinterkopf die bekannten Vorurteile mit sich herumträgt. Oder anders ausgedrückt: Weil man sich in Strumpfhosen unwohl fühlt.

Man kann es auch mögen, wenn der Körper von den Zehen bis zu den Hüften mit nur einem Kleidungsstück bedeckt ist. Weil man es praktisch findet, wenn kein Gürtel, keine auftragenden Verstärkungen und keine hervorstehenden Nähte vorhanden sind und man bei Bewegungen nicht eingeengt wird. Hier denke ich an Männer, die Strumpfhosen im privaten Umfeld – zum Beispiel in den eigenen vier Wänden oder im Garten – offen tragen – etwa in Kombination mit einem langen Pullover.

Ein Mann, der offen mit seinem Faible für Strumpfhosen umgeht, ist Werner D. Sein Instagram Account ist unter tightsandbread zu finden. D. trägt Strumpfhosen in aller Öffentlichkeit. Er kombiniert sie bevorzugt mit Hotpants und spricht darüber auch mit Pressevertretern. D. entspricht komplett dem Typus Mann, der auch mit dieser Webseite angesprochen werden soll: Er ist heterosexuell, lebt in einer Beziehung mit einer Frau und versteht sich nicht als Crossdresser, sondern einfach als Mann, der sich in Strumpfhosen wohlfühlt. Strumpfhosentragen sei für ihn, laut main.ding.de, eine Möglichkeit, „nicht mit dem Strom zu schwimmen, raus aus dem Herdentrieb zu kommen“. Die Frage nach dem Warum beantwortet er damit, dass Strumpfhosen für ihn ein ganz normales Kleidungsstück seien. Dafür, dass D. sich offen in Strumpfhosen zeigt, gebührt ihm Anerkennung und Respekt.

Erotische Aspekte

Verpackung der ersten Panti-Legs aus dem Jahr 1958

Die Verpackung der ersten Panti-Legs aus dem Jahr 1958.

Unbestreitbar haben Strumpfhosen auch einen erotischen Reiz. Dies sicherlich schon vom ersten Tag an, als 1958 die ersten „Panti Legs“ des US-Herstellers Glen Raven auf den Markt kamen und ihren Siegeszug um die Welt antraten. Ich bin mir sicher, dass es auch damals schon Männer gab, die Strumpfhosen an sich ausprobiert und für gut befunden haben. Obwohl seinerzeit das verwendete Material wenig mit den heutigen Garnen zu tun hatte und die Gründe, Strumpfhosen zu kaufen und zu tragen eher praktischer als erotischer Natur gewesen sein dürften. Unter dem erotischen Blickwinkel geht das Wohlfühlen weiter als oben beschrieben. Dann sorgt es für mehr oder weniger starke sexuelle Erregung. Die passive Art, Strumpfhosen erregend zu finden, ist akzeptiert: Finde ich als Mann eine Frau in Strumpfhosen anziehend, mag ich es, sie in Strumpfhosen zu sehen und ihren bestrumpfhosten Körper zu berühren, wird das weitestgehend als „normal“ betrachtet. Es ist sicherlich einer der Hauptgründe, warum Frauen Strumpfhosen tragen: um von potentiellen oder bereits vorhandenen Partnern als Wesen mit erotischer Ausstrahlung wahrgenommen zu werden.

Sind Strumpfhosen Fetische?

Im Gegensatz dazu, dass Frauen Strumpfhosen tragen, ist es gesellschaftlich kaum akzeptiert, wenn ein Mann selbst Strumpfhosen anzieht, um sexuell erregt zu werden oder seine sexuelle Erregung zu steigern. Das ist merkwürdig, denn bei allem, was in der Sexualität denkbar ist (in dieser Liste sind einige der häufigsten Fetische aufgeführt, wer im Netz surft, findet viele weitere), ist das Tragen von Strumpfhosen objektiv betrachtet ein vergleichsweise banales Verhalten. Im erotischen Sinn ist das männliche Faible für Strumpfhosen vermutlich als Fetisch zu bezeichnen, unabhängig davon, ob der Mann Strumpfhosen bei Frauen oder an sich selbst mag. Allerdings nicht in dem negativen, herabsetzenden Sinn, in dem die Wörter Fetisch und Fetischist oft benutzt werden, insbesondere in Online-Diskussionsforen. Hier wird dem- oder derjenigen normalerweise ein krankhaftes Verhalten, der Fetisch als kompletter Ersatz für die partnerschaftliche Sexualität unterstellt, ein Benehmen außerhalb akzeptabler Normen. Was vollkommen blödsinnig ist. Es zeigt lediglich die Beschränkheit derjenigen, die das Wort in diesem Sinne benutzen. Das Wort Fetisch ist für sich genommen wertfrei. Es bezeichnet lediglich eine Form der Sexualität, die sich auf bestimmte Körperteile, Örtlichkeiten oder auch Gegenstände beziehen kann. So gesehen ist auch eine Vorliebe für Brüste ein Fetisch, aber würde irgendjemand diese Vorliebe als negativ empfinden? Oder anders gefragt: Warum sollte ein solcher Fetisch anders beurteilt werden als das Tragen von Strumpfhosen?

Hier geht es ausschließlich um das Tragen von Strumpfhosen

Wohlgemerkt: Auf dieser Seite geht es ausschließlich um das Tragen von Strumpfhosen, nicht generell um das Tragen von „Damenwäsche“ wie BHs oder Röcken. Wenn man Röcke denn überhaupt für ausschließlich weibliche Kleidungsstücke hält. Neben ethnisch bedingten Männerröcken wie dem Kilt in Schottland oder dem Lava-Lava auf Samoa gibt es schließlich auch in der Modeindustrie seit einigen Jahrzehnten immer wieder Bestrebungen, den Rock als Bestandteil der männlichen Kleidung hoffähig zumachen. Es geht auch nicht um Männer, die sich weiblich fühlen, ihrer „weiblichen Seite“ Ausdruck verleihen wollen — was auch immer diese Phrase zu bedeuten hat — oder als Transvestiten und Dragqueens unterwegs sind. Um diese Aspekte sollen sich andere Menschen mit eigenen Webseiten kümmern. Webseiten sind allerdings ein ideales Medium, um sich über die erotischen Aspekte männlichen Strumpfhosentragens zu informieren. Hier lohnt vor allem ein Blick in die unzähligen Diskussionsforen. Natürlich finden sich dort wie in allen anderen Foren unzählige Trolle und Deppen mit ihren geichermaßen unsinnigen wie überflüssigen Kommentaren, aber neben all dem geistigen Durchfall, der produziert wird, gibt es auch jede Menge Informatives. Dabei kristallisieren sich drei Erkenntnisse heraus.

Erkenntnis 1

Kein Mann mit einem Faible für das Tragen von Strumpfhosen ist allein. Im Gegenteil: Die Zahl der Männer, die Strumpfhosen trägt, dürfte erheblich sein. „Belastbare“ Zahlen gibt es selbstverständlich nicht. Diese wären nur durch eine wissenschaftlich gestützte, repräsentative Umfrage durch ein neutrales Marktforschungsunternehmen und gleichzeitig vollkommen ehrliche Antworten der Befragten berechenbar. Aber man darf spekulieren. Daraus, dass das Thema Männerstrumpfhosen seit Jahrzehnten immer und immer wieder online diskutiert wird, darf man auf größeres Interesse schließen. Zudem zeigen die Autoren der Beiträge, sofern man deren Angaben glaubt, dass alle Altersgruppen vertreten sind. Männer, die Strumpfhosen tragen, wachsen sozusagen nach, so dass das Thema weder an eine bestimmte Generation gebunden ist, noch „auszusterben“ droht.

Erkenntnis 2

Viele Männer tragen Strumpfhosen, ohne dass ihre Partner es wissen (dürfen). Das ist bedauerlich für die Betroffenen, die sich fragen sollten, warum ist das so? Ist Scham oder die Angst, ausgelacht zu werden, der Grund für den Verzicht, diese Vorliebe auszuleben? Dann sollte man meiner Meinung nach grundsätzlich darüber nachdenken, wie es um eine Partnerschaft bestellt ist, in der eine solch harmlose Vorliebe nicht ausgesprochen werden darf. Meine Empfehlung an alle Männer, die bislang nur heimlich Strumpfhosen anziehen: Offenbart euch, sprecht das Thema offensiv an. Zahllose Männer haben – wie ich selbst auch – die positive Erfahrung gemacht, dass die Partner viel toleranter sind als zunächst erwartet. Sie müssen ja nicht gleich begeistert „Hurra“ schreien, aber wenn sie es akzeptieren, ist doch schon eine ganze Menge gewonnen.

Erkenntnis 3

Einige Männer wollen Strumpfhosen auch öffentlich tragen. Weil es ihr gutes Recht ist oder weil das Gefühl, von anderen gesehen zu werden, ihnen zusätzlichen Genuss bereitet. Glaubt man Stellungnahmen derjenigen, die es machen, sind negative Reaktionen eher selten bis gar nicht vorhanden. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Bislang wurde ich in Strumpfhosen kommentarlos zur Kenntnis genommen, egal ob jüngst in aller Öffentlichkeit oder früher in der eingeschränkten Öffentlichkeit von Sammelumkleiden in Saunen oder Fitnesscentern. Wer es wagen, sich aber langsam an das Thema herantasten möchte, kann es im Karneval, auf Kostümbällen oder beim Sport ausprobieren. Vor allem beim Laufen oder Radfahren ist enganliegende Beinbekleidung auch bei Männern etwas Normales.

Wohlfühlen in speziellen Strumpfhosen für Männer

Ein besonderer Aspekt des Wohlfühlens ist das Tragen von Erotikstrumpfhosen, die speziell für Männer gefertigt werden. Hier sind an erster Stelle die Modelle mit integrierter – offener oder geschlossener – Penishülle zu nennen. Diese Männerstrumpfhosen sind sicherlich kein Gegenstand für den täglichen Gebrauch und wenden sich offensichtlich an Männer, die auch beim Sex gern Strumpfhosen tragen. Welche Variante man bevorzugt, ist eine persönliche Entscheidung. Fest steht, dass es von der Phantasie des Trägers oder der am Liebesspiel Beteiligten abhängt, ob und wie man Strumpfhosen mit Penishülle in die Aktivitäten integriert. Die im Zusammenhang mit diesen Produkten oft gestellte Frage „Was soll das?“ oder Bemerkungen wie „Brauche ich nicht!“ sind obsolet, weil es Millionen von Dingen gibt, deren Sinn sich nur denjenigen erschließt, die sich dafür begeistern können. Für mich haben beispielsweise Autos mit mehr als 150 PS, Fleisch aus Massentierhaltung und Atomstrom, die Liste ließe sich verlängern, keine Daseinsberechtigung.

Einige Beispiele für Männerstrumpfhosen mit Penishüllen

Eine weitere Variante von Erotikstrumpfhosen, die nicht nur, aber auch, für Männer gefertigt wird, sind solche mit einer Öffnung im Bereich des Höschenteils. Diese kann von vorne bis hinten reichen, sie kann anstelle eines Zwickels vorhanden sein oder sie kann sich auf den hinteren Bereich beschränken. Die Vorteile dieser Variante liegen ebenso wie die von Männerstrumpfhosen mit offener Penishülle auf der Hand: Man kann das Handeln genießen, ohne die Strumpfhose zerreißen zu müssen.

Produkte, um sich komplett in Strumpfhosen zu hüllen

Ganz besonders drückt sich das Faible für Strumpfhosen (und Nylon) bei Menschen aus, die sich komplett in entsprechende Kleidungsstücke hüllen oder nur Kopf und Arme frei lassen. Im Englischen findet sich dazu der Begriff Pantyhose-Encasement (etwa: Strumpfhosenumhüllung). Um diese Vorliebe auszuleben, gibt es ebenfalls unterschiedliche Möglichkeiten. Die einfachste sind Ganzkörperstrumpfhosen (Bodystockings). Die gibt es grundsätzlich in Varianten für Frauen und Männer. Zu unterscheiden sind hier beispielsweise Modelle, die den gesamten Körper bedecken, also Hände ebenso wie den Kopf, und solche, die die Hände und/oder den Kopf frei lassen.

Am bekanntesten sind Bodystockings mit offenem Schritt. Dieser Schnitt hat zweifelsohne Vorteile. So hat man beim Liebesspiel freien Zugang, und bei alltäglichen Verrichtungen muss man sich nicht mühsam aus der feinen Nylonhaut schälen. Eine andere Variante sind Bodystockings mit einer Aussparung hinten. Es gibt aber auch Varianten für Männer, die komplett auf Löcher im Hüft-, Po-  und Schrittbereich verzichten und stattdessen den gesamten Körper einhüllen, inklusive des Geschlechtsteils. Diese reichen in der Regel von den Füßen bis zu den Schultern und bieten die Möglichkeit, den Penis in einer offenen oder geschlossenen Penishülle unterzubringen. Ein Beispiel für die letztgenannte Variante ist das Modell 0058 (siehe Foto) des chinesischen Produzenten Doyeah.

Bei der Frage, für welche Art der Penishülle mann sich entscheiden sollte, kommt es sicherlich auf den persönlichen Geschmack und die individuellen Vorlieben an. Eine geschlossene Penishülle mag für manche Menschen auf den ersten Blick als blanker Unsinn erscheinen. Aber gerade in der Tatsache, dass der Penis nicht direkt zu erreichen ist, kann auch ein besonderer Reiz liegen.

Alternativ zu den Ganzkörpeerstrumpfhosen oder Bodystockings kann man sich neben der „normalen“ Strumpfhose auch eine weitere Strumpfhose über Kopf, Arme und Oberkörper ziehen – nachdem man vorsichtig den Zwickel entfernt hat. Wer das machen will, sollte ein Produkt wählen, das im Schritt dehnbar ist, da das Loch, das durch das Entfernen des Zwickels entsteht, eine Herausforderung für den Kopf sein kann. Zu enge Strumpfhosen oder zu unflexible Materialen drohen dann zu zerreißen.

Wer sich Bastelarbeit und ausgefranste Nähte ersparen will, kann auch zu einem fertigen Produkt für das Pantyhose-Encasement greifen. Dabei handelt es sich zwar nicht direkt um Strumpfhosen, aber die verarbeiteten Materialien sind identisch. Auf dem Markt gibt es auch bei diesem Produkt unterschiedliche Ausführungen. So stehen beispielsweise Encasement-Oberteile bereit, bei denen die Hände bedeckt sind oder frei bleiben, und es gibt Varianten, bei denen der Kopf komplett umhüllt wird oder eben auch frei bleiben kann, und Kombinationen daraus.

Nicht zu vergessen sind die „Cocoon-Bodyhoses“ aus hauchzartem Nylon, „Säcke“, in dem zwei Menschen bequem Platz finden. Diese sitzen dann zwar nicht wie angegossen auf der Haut, geben den  Nutzern aber trotzdem das gewünschte Gefühl.

Zugegeben, Pantyhose- oder Nylon-Encasement gehört vermutlich in einen Bereich, der nur eine Minderheit anspricht und für die Mehrzahl der Menschen nicht nachzuvollziehen ist. Selbst dann, wenn man es als eine besondere Art des Bondage betrachtet, für das die Zahl an Interessenten sicherlich weit größer ist. Hier dürften rasch Assoziationen zu Porno und Fetisch – im negativen Sinn – geweckt werden. Tatsächlich listet Google beim Suchen nach „Pantyhose Encasement“ auf den ersten Seiten fast ausschließlich einschlägige Seiten auf.

Andererseits gibt es insgesamt mehr 4,6 Millionen Treffer, unter denen auch Shops mit entsprechenden Angeboten zu finden sind. Selbst bei ebay und Amazon werden zahlreiche Artikel angeboten. So wenige Menschen scheinen es dann doch wieder nicht zu sein. Auch in Diskussionsforen poppt das Thema immer mal wieder auf. Menschen tauschen sich dort aus, sagen ihre Meinung, berichten über Erfahrungen und geben sich Tipps. Zum Beispiel wie man selbst aus mehreren Strumpfhosen ein Encasement-Outfit gestalten kann.

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